#OutNow

»Just a Girl«

So lautete der Arbeitstitel, der nun endlich auch zum Titel wird 🥰


Zwischendurch habe ich die beiden »Croftsdale« - Bücher verfasst, aber nun ist auch »Just A Girl« kurz davor veröffentlicht zu werden.

Hier eine kleiner Rückblick auf meine »Problemchen« mit dem Buch, was durchaus nicht unüblich ist.

»Ein Projekt, für das ich Feuer und Flamme bin, bei dem mir aber nach 14.000 Wörter (ca. 80 Taschenbuchseiten) passiert ist, was ich weiter oben erwähnt habe: Ich wusste nicht weiter. Nicht, weil ich nicht weiß, wie es weitergehen soll, sondern weil ich bei einer Szene plötzlich nicht wusste, was ich schreiben soll. Ich wollte aber auch nicht einfach eine spätere Szene in der Geschichte anfassen - das bin nicht ich und ich glaube, das KANN ich nicht. Normalerweise schreibe ich vom Anfang zum Ende und lasse dabei nichts aus. Gelegentlich habe ich ein paar Szenen, die ich beim Festhalten der Idee schon aufgeschrieben habe, die ich dann nur einfügen muss, aber ich bin nicht der Typ, der wenn es ins Stocken gerät einfach zur nächsten Szene springt, in der Hoffnung, dass der Rest für dazwischen sich schon irgendwie findet.«


Trotzdem habe ich auf Facebook schon den einen oder anderen Ausschnitt gezeigt, weshalb ich diese auch hier zur Verfügung stellen möchte.



Deine Susan 💞

Einblick in Kapitel 5


Es klingelt und nur eine Sekunde später ertönt der Weckton meines Telefons.

»Sie sind mal wieder pünktlich. Wie sollte es auch anders sein?«, sage ich und atme tief durch. »Sie wollen heute noch zurückfahren. Du schaffst das. Du musst nur die nächsten zwei bis vier Stunden nicht aufhören zu atmen, immer freundlich lächeln und ni…«

Es klingelt erneut und ich weiß, dass das nicht Dad war – oh nein.

Als ich mich der Tür nähere, kann ich Mums Stimme bereits hören. »Bist du dir sicher, dass sie hier wohnt? Ist es denn schon drei Uhr? Nicht, dass ihr was passiert ist. Das hier ist schließlich nicht unser kleines Dorf.«

Ich könnte hier garantiert noch fünf Minuten stehen und sie würde weitere Fragen stellen, die mein Dad ihr nicht beantwortet, weil er sie bereits seit Jahren ignoriert, wenn sie so drauf ist. Es ist seine Art von Selbstschutz, sonst hätte er vermutlich längst die Scheidung eingereicht.

Ich zwinge mich, zu lächeln, während es ein weiteres Mal klingelt, und ziehe die Tür auf. »Hi Mum. Hi Dad. Kommt doch rein.«

»Du bist ja doch da«, bringt sie erleichtert, überrascht und gleichzeitig zufrieden über die Lippen.

Ich lächle ununterbrochen und versuche, meine mit Sarkasmus geschwängerten Gedanken zu überhören. Natürlich bin ich da! Ich habe sie doch eingeladen! Nein, sie hat sich eingeladen, aber das behalte ich besser für mich. Und wo soll ich sonst sein? Hat sie etwa gedacht, ich verstecke mich, obwohl ich zugesagt habe? Vergessen konnte ich den Termin auf gar keinen Fall, da Mum mir jeden verdammten Tag der letzten Woche eine SMS geschickt hat, in der sie ihre Vorfreude kundgetan hat.

»Ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht«, kommt, wie erwartet, von Mum, die mich anschließend kurz umarmt, um nur Sekundenbruchteile später die Wohnung mit ihren Adleraugen zu scannen.

Dass ich gehört habe, um was sie sich angeblich Sorgen gemacht hat, verschweige ich besser, wenn das hier einigermaßen gesittet ablaufen soll.

Dad nimmt mich liebevoll in den Arm, küsst mich auf die Stirn und sieht mich zufrieden an, während seine Hände weiterhin an meiner Hüfte ruhen. »Du siehst gut aus, Liebes. Das Stadtleben bekommt dir. Ignoriere deine Mum, so gut es geht, sonst bekommst du nur Falten und graue Haare«, flüstert er mir zu und küsst mich erneut sanft auf die Stirn.

»Oh, unsere Becky hat Besuch eingeladen«, ertönt es wie von mir vorausgesehen von Mum aus der Küche.

Sie hat offenbar den gedeckten Tisch entdeckt – natürlich hat sie das – und selbstverständlich hat sie die Gedecke gezählt. Wahrscheinlich sogar vor den Staubkörnern, aber wer will schon so kleinlich sein. Familie kann man sich nicht aussuchen.

Dad und ich verdrehen beide synchron die Augen und belächeln die Situation. Wenigstens er versteht, warum ich weiter weggezogen bin als nur ins nächstbeste Dorf.

Dad lässt mich los und geht in das Wohnzimmer, weshalb ich mich zur Tür umdrehe, da sie noch offen steht. Ich greife zur Klinke und kurz, bevor ich die Tür schließen will, höre ich Cians Stimme. »Warte! Wir sind bereit«, ruft er und ich ziehe die Wohnungstür wieder auf. Er grinst mich an und ihm ist anzusehen, dass er sich einen Spaß aus dem heutigen Treffen machen wird.

Ich begrüße die junge Familie und lasse hinter ihnen die Tür ins Schloss fallen. Auf geht’s!

Als ich das Wohnzimmer betrete, sind meine Eltern bereits rege damit beschäftigt, sich mit Paige und Cian vertraut zu machen. Erleichtert atme ich aus. Wenigstens das klappt, denke ich, bevor sich meine Selbstironie meldet. Es sind erst drei Minuten vergangen. Mich selbst motivieren – kann ich einfach. Mit einem Schmunzeln verdränge ich all die Bedenken, die ich wegen des Besuchs meiner Eltern hatte. Dabei hoffe ich inständig, dass das länger als fünf Minuten anhält.

»Ich koche mal den Kaffee«, erkläre ich, da ich ihn absichtlich nicht vorbereitet habe. Eine weitere Chance, Mums Argusaugen für einen Augenblick zu entkommen.

Meine Worte sorgen allerdings dafür, dass Mum ihre Musterung von Amy unterbricht. »Für mich bitte einen Kräutertee. Ich kann sonst nicht schlafen.«

»Sorry Mum, aber ich habe leider keinen«, antworte ich, da mir dieser neue Spleen bisher unbekannt ist. Das ist nicht schwer, da sie nahezu täglich versucht, ihren Lebensstil zu verändern. Sie ist wie die Charts der modernen Unverträglichkeiten. Heute verträgt sie etwas nicht mehr, morgen ist es was anderes. Früher hat sie über Vegetarier gescherzt, dann war sie selbst plötzlich Veganerin. Der nächste Trend kam und Mum schloss sich den Frutariern an, daher überrascht uns so leicht nichts mehr. Es war gefühlt schon alles dabei, jedoch findet sie immer noch Dinge, mit denen sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. Und das ist heute dann eben der verdammte Scheiß Kräutertee. Ich könnte wetten, wenn ich Dad frage, hatte sie unterwegs ganz sicher einen doppelten Espresso, aber das ist ja kein Filterkaffee. Ich kann mir die Diskussion und ihre Argumentation lebhaft vorstellen, da wir bereits etliche Gespräche über neue Ansichten zu Lebensweisen geführt haben.

»Ich habe Kräutertee daheim«, erklärt Paige und Mum sieht mich mit diesem Blick an, wie nur sie es kann. Er sagt: Siehst du, sie hat Kräutertee. Zugegebenermaßen ignoriere ich es weitestgehend, da Paige den Blickkontakt unterbricht. Sie ist bereits aufgestanden und macht sich auf den Weg, um den blöden Tee zu holen. Verflixte Kiste! Doch Mum hat es so gewollt – sie wird sich noch an diesen Tag zurückerinnern. Den Tag, an dem ich ihr ununterbrochen Kräutertee serviert habe, den sie eigentlich verabscheut, wenn ich mich recht erinnere, aber den sie aus Anstand getrunken hat und weshalb sie viel zu viel von den Gesprächen verpasst hat, da sie ständig zur Toilette musste.

Paige geht den Tee holen und ich werde die Kaffeemaschine anstellen. Natürlich koche ich einen Tee, allerdings den normalen Schwarzen.

Mum widmet sich der Befragung von Cian, sodass sogar mir Zeit bleibt, ihren Besuch in gewisser Weise zu genießen. Die unterschwelligen Sticheleien entgehen mir dabei nicht, aber wir haben meine frühere Beziehung zu Konstantin bereits mehrfach bis ins Detail besprochen – zum Glück ohne den Sex.

Sie dachte, er würde irgendwann um meine Hand anhalten – ich auch. Doch was dann passierte, zerstörte Jacky und mich beinahe, weshalb er seitdem für mich gestorben ist. Nur Mum fällt es schwer, dies zu akzeptieren, obwohl sie genau weiß, was seinerzeit vorgefallen ist.

Erwartungsgemäß wünscht sie sich Enkelkinder, was nachvollziehbar ist. Doch weder ich noch Jacky haben bisher den richtigen Mann dafür gefunden.

Es klingelt an der Tür, was mich wundert, da Paige bereits zurück ist und sich durchaus angeregt mit Mum unterhält. Hauptsächlich redet Mum, während Paige lächelt und nickt, wie ein Minion, der speziell darauf trainiert wurde – und wofür ich ihr sogar sehr dankbar bin.

»Erwartest du noch wen?«, erkundigt sich Mum bei mir.

»Eigentlich nicht. Sicher nur jemand, der sich in der Tür geirrt hat. Das kommt in einem so großen Haus ab und an mal vor«, wiegele ich locker ab und bin dennoch dankbar für die zusätzliche Abwechslung. Ich gehe zur Wohnungstür, die ich, ohne durch den Spion zu sehen, öffne.

Ich erstarre augenblicklich und bringe kein Wort hervor. Was tut er denn hier?! Warum taucht er schon wieder hier auf?! Ausgerechnet heute?! Er weiß doch inzwischen, wo … 

»Hi. Sind Cian und Paige zufällig bei dir? Cian hat mir heute früh noch getextet, dass er zu Hause sei, aber es öffnet niemand«, brabbelt er drauflos, sodass ich gar keine Gelegenheit habe, etwas zu sagen. Ich weiß nicht, ob ich wütend oder dankbar für sein Auftauchen sein soll. Der Schockzustand verhindert jedenfalls, dass ich rückfällig werde und ihn anschmachte. Als meine Zunge sich nicht mehr wie am Gaumen festgeklebt anfühlt, ertönt eine andere Stimme – die von Mum.

Jetzt nur nicht durchdrehen! Atme! Alles halb so wild! Atme! Denk daran, zu atmen!

»Liebes, wer ist denn da?«, ruft meine neugierige Mutter aus dem Wohnzimmer.

»Oh, du hast Besuch. Ich wollte nicht stören«, entschuldigt sich Ryan, was ich als verwirrend empfinde, da er bisher nie so etwas wie Rücksicht gezeigt hat.

Für eine Sekunde schaltet mein Körper in den Anschmachte-Modus und ich möchte nur einmal in sein Haar fassen oder an seiner Lederjacke riechen. Allerdings räuspere ich mich. »Meine Eltern sind hier, weshalb ich Paige und Cian mit Amy eingeladen habe«, erkläre ich leise.

»Nun lass mich doch mal nachsehen, Rupert«, höre ich Mum sagen, bevor sie plötzlich neben mir auftaucht und mich taktlos ein Stück zur Seite schiebt, damit sie den Besucher mustern kann. »Hallo, junger Mann«, begrüßt sie Ryan, der sie unsicher anlächelt und mich daraufhin für einen Moment nachdenklich betrachtet.

Über was denkt er nach? Es sollte dir egal sein.

Wenn er mich so ansieht, kann das …

Ryan setzt ein Lächeln auf, das wahrscheinlich dazu gedacht ist, Frauen binnen Sekunden zum Schmelzen zu bringen. Bei Mum klappt das offensichtlich und selbst ich spüre, dass ich darauf reagiere – mehr als mir lieb ist. Mein Puls beschleunigt, mir wird warm und meine Handflächen fangen an zu schwitzen. Von dem verwirrenden Gefühl in mir, mich Ryan an den Hals werfen zu wollen, mal ganz abgesehen.

Du weißt genau, dass er nicht der Prinz auf dem weißen Ross ist, der dich befreien will.

Danke Unterbewusstsein, das habe ich gebraucht.

»Becky hatte mir gar nicht erzählt, dass ihre Eltern zu Besuch kommen«, erklärt Ryan in Schwiegersohnmanier und die sich mir bietende Szene wirkt so abartig gestellt, dass ich brechen möchte. Er ist ein derartiger Schleimbrocken – widerlich!

Mum hängt an seinen Lippen und spinnt sich vermutlich etwas sehr Schmalziges zusammen, von dem ich nie, ich wiederhole, nie etwas erfahren will. Schlimm genug, dass ich den Anblick einer willigen Frau im Klimakterium, die nebenbei immer noch meine Mutter ist, nie mehr vergessen werde. Zumindest erlöst mich Ryan, indem er kurz meine Finger berührt und mir tief in die Augen sieht. »Du hast doch nicht etwa Geheimnisse vor mir, Sweetheart?«, fragt er und seine lüstern klingende Stimme geht mir durch und durch. Was hat er sich denn jetzt nur wieder ausgedacht? Das wird ja immer schlimmer. Kann der Typ sich vielleicht nur einmal normal verhalten? Verflixte Kiste!

Immer daran denken, Mum und Dad fahren bald wieder nach Hause – bald.

Wann ist bald? Ist bald nicht schon da? Müsste es nicht gleich bald sein?

Bevor ich angemessen reagieren kann, zieht Mum Ryan wie einen Altbekannten in ihre Arme und küsst ihn auf die Wange, sodass das schmatzende Geräusch wahrscheinlich das gesamte Treppenhaus erfüllt. Ich schüttele mich angewidert, aber amüsiere mich ebenfalls über Ryans überraschten Gesichtsausdruck.

Hey, er hat angefangen, dann muss er auch mit den Reaktionen klarkommen. Aktion – Reaktion.

»Wieso hast du denn nicht erzählt, dass du einen neuen Freund hast, Liebes? Und dann auch noch so einen gut aussehenden stattlichen Kerl.«

»Mum«, gebe ich gequält von mir, aber sie ignoriert mich und zieht Ryan an der Hand hinter sich her zu den anderen.

»Na toll, Ryan. Das wirst du büßen, auch wenn ich noch nicht weiß wie«, fluche ich, nur für mich hörbar.

©Susan Liliales

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